Historie

Schlossmühle Velen - historische Fotografie

Die Schlossmühle Velen liegt südwestlich des Schlosses Velen, außerhalb des alten Dorfkerns, wo durch Zusammenfluss von Thesingbach und Vennbach (Schwarzer Bach) die Bocholter Aa entsteht.

Die ehemalige Wassermühle des Schlosses Velen (Schlossmühle Velen) liegt an einer Staueinrichtung mit Fischbauchklappe und Turbinennebenfluss mit zugehöriger Stautafel.

Bei der ehemaligen Schlossmühle handelt es sich um einen im Wesentlichen in drei Bauabschnitten entstandenen Gebäudekomplex. Unmittelbar am Heidener Landweg liegt der älteste Teil: ein zweigeschossiger, auf der Längsseite vierachsiger Baukörper aus Feldbrandsteinen unter einem Walmdach. Wasserseitig steht das Gebäude auf einem hohen Bruchsteinsockel, dessen Bausubstanz im Kern vermutlich mittelalterlichen Ursprungs ist. Hier befand sich einst das Wasserrad und soll an dieser Stelle auch wieder entstehen. Die Basis dafür bildet das von einem Staurecht unabhängige preussische Betriebsrecht, dass am 22. Februar 2013 durch einfache Meldung bei der Bezirksregierung in Münster fortlaufend bestätigt wurde.

An der Gebäudeseite zum Landweg befindet sich eine Wappentafel aus Baumberger Sandstein mit dem Ehewappen Velen-Schenking und der Jahreszahl 1702. Das Wappen könnte hier zweitverwendet worden sein oder auch dem Datum eines Neubaus der Brandsteinmauern auf dem alten Bruchsteinfundament entsprechen. Bei den Fenstern diese Gebäudes handelt es sich teilweise um Sprossenfenster, wobei die Fensteröffnungen mit einem schwach angedeuteten Segmentbogen versehen sind. Die Sohlbänke/Fensterbänke waren im ältesten Abschnitt ursprünglich aus Sandstein, wobei die diversen baulichen und nutzungstechnischen Änderungen des Gebäudes in Kombination mit dem starken Verwitterungszustand der verbliebenen Sohlbänke zu unterschiedlichsten baulichen Ausprägungen geführt haben. Die Restauration erfolgte deshalb einheitlich in Form von Sandstein-Fensterbänken im Bruchsteincharakter.

Schlossmuehle Velen - historische Winteransicht
Historische Winteraufnahme der Schlossmühle Velen

Geschichtlich betrachtet wird die Schlossmühle urkundlich bereits 1367 anlässlich der Übertragung von Gütern innerhalb der Familie des Adelsgeschlechtes von Velen erwähnt. Das Baujahr dürfte, ähnlich wie bei anderen Wassermühlen im Münsterland, zumindest in den ursprünglichen Bruchsteinfundamenten im 13. Jahrhundert liegen. Damit zählt die Schlossmühle zu den ältesten Bauwerken Velens und Umgebung. Als die Herren von Velen beim Landesfürsten und Bischof in Münster in Ungnade fielen, wurde 1372 das Schloss mit den daran gebundenen Gütern münsterischen Lehen und von diesem Zeitpunkt an weiterhin vom Bischof als Landesfürsten dem jeweiligen Herrn von Velen als Lehen übertragen. Durch Heirat des letzten Erbes kam das Gut 1756 an die Familie von Landsberg. Die Ihrem Namen Velen anfügte.

Die Mühle wurde ursprünglich als Bannmühle errichtet und lief bis etwa 1870 als Kornmühle.  In dieser Zeit wurde die Mühle dann auf Stromerzeugung (Gleichstrom) umgebaut Der Mahlbetrieb wurde aufgegeben und die Schlossmühle versorgte nun die Gemeinde Velen, einige honorige Velener Haushalte sowie auch das Schloss mit Strom für die (Straßen-)Beleuchtung.  Aus der Wasserkraft wurden in den letzten Jahren der Laufzeit der Turbine etwa 24 MWh p.a. erzeugt. Dies erscheint im Vergleich mit dem heutigen Durchschnittsverbrauch eines Haushaltes eher gering, reichte aber für den damaligen Bedarf in der Gemeinde durchaus aus. Zum Vergleich—heute könnte man mit dieser Arbeitsleistung nur etwa vier bis sechs  Einfamilienhaushalte versorgen.

Mit dem wachsenden Bedarf, bei eher schwankendem Wasserdruck von ~600 bis 1200 l/sec, wurde die Stromversorgung  um 1890 dann auf „Lokomotive“, d.h. einen großvolumigen Dieselmotor umgebaut und das Gebäude erweitert. Gegen 1910 wurde das Gebäude abermals erweitert und zusätzlich ein schmaler Wohntrakt am Ende des Gebäudes angefügt. Alte Bauspuren in Form von Fliesen, entfernten Keramikbecken und Wasserrohren deuten darauf hin, dass die Mühle während dieser Zeit auch als Waschhaus der Gemeinde Velen genutzt worden sein könnte. Die Stromerzeugung soll etwa bis 1945 in Betrieb gewesen sein, wobei die Verantwortung für den Erzeugungsbetrieb der letzten Jahre der Laufzeit bei der VEW lag.

Schlossmühle Velen - der alte Generator zur Stromerzeugung mit Wasserkraft
Der alte Generator der Schlossmühle Velen diente lange der Stromerzeugung mit Wasserkraft. Aufnahme aus den 50er Jahren.

Nach einigen Jahren des Leerstandes wurde das Gebäude dann durch einen Metallbaubetrieb als Mieter bezogen und 1976 durch die Familie Hambrügge von den Grafen von Landsberg Velen gekauft. Während und nach einer Umbauzeit von mehreren Jahren diente das Gebäude für einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren als Pferdestallung zur Zucht von Reit– und Springpferden mit angeschlossener Reitschule. Im Jahr 2004 wurde das Gebäude letztlich durch die Schlossmühle Velen GbR. von den Alteigentümern Margret und Konrad Hambrügge käuflich erworben und eine Nutzungsänderung zum Umbau in ein Wohnhaus mit Mühlencafé sowie Mühlenmuseum (Mühlentechnik), angrenzenden Pferdestallungen und eventuell einem Hofladen beantragt und auch genehmigt. Mit der beantragten Nutzungsänderung erfolgte auch die Unterschutzstellung des Hauptgebäudes als Denkmal. Hierbei wurde in mehreren Sitzungen mit dem Rat der Gemeinde, der Denkmalbehörde und weiteren Beteiligten in außergewöhnlich kooperativer Zusammenarbeit ein erfreulicher Kompromiss zwischen erforderlicher wirtschaftlicher Nutzung des Denkmals und den wichtigen denkmalpflegerischen Aspekten gefunden. Dem Rat sowie auch dem Planungsausschuss und allen Planungsbeteiligten der Gemeinde Velen-Ramsdorf und des Kreise Borken sei an dieser Stelle noch einmal unser Dank für die gute Zusammenarbeit ausgesprochen.